Was spricht dagegen, das Fliegerdenkmal zu dem zu machen, was es dem Namen nach eigentlich sein sollte und was es in der heutigen Wahrnehmung für die meisten Leute sowieso schon längst ist:
Ein Denkmal für alle Flieger?
100 Jahre Fliegerdenkmal
Im Jahr 2023 jährte sich die Errichtung des weltbekannten Fliegerdenkmals am Westhang der Wasserkuppe zum 100. Mal.
Dieses Jubiläum haben einige Flugsportler zum Anlass genommen, sich mit diesem in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlichen, aber nicht unproblematischen Denkmal auseinanderzusetzen.
Errichtet wurde das Denkmal 1923 vom heute nicht mehr existierenden „Ring der Flieger e. V.“ zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Kampfpiloten. Der Adler stammt vom Bildhauer August Gaul, die Inschrift verfasste Oberleutnant Ottfried Fuchs. Eingeweiht wurde das Denkmal am 30. August 1923 während des Rhön-Segelflugwettbewerbs.
Die Inschrift auf dem Denkmal lautet bis heute:
WIR TOTEN FLIEGER BLIEBEN SIEGER
DURCH UNS ALLEIN.
VOLK, FLIEG DU WIEDER
UND DU WIRST SIEGER
DURCH DICH ALLEIN.
Der Adler blickt nach Westen – in Richtung des damaligen Kriegsgegners Frankreich. Auch das wird bis heute als Drohgebärde verstanden.
Die Problematik dieser Inschrift fasst Wikipedia so zusammen:
Skulptur wie Inschrift des Denkmals spiegeln den revisionistischen Zeitgeist der 1920er Jahre. Die Inschrift glorifiziert den Kriegstod der Flieger und fordert das Deutsche Volk zur Nichtakzeptanz der Niederlage des Ersten Weltkriegs auf.
(Quelle: Wikipedia: Fliegerdenkmal_(Wasserkuppe))
Politische Instrumentalisierung der Fliegerei und der Flieger…
Schon die Einweihung – ein martialischer Festakt mit nach Presseberichten rund 100.000 Besuchern – stieß nicht nur auf Zustimmung. Etliche Flieger distanzierten sich ausdrücklich von der politischen Vereinnahmung und der Kriegsverherrlichung auf Kosten der Flieger. Kurt Tucholsky kritisierte die Inschrift 1931 in der „Weltbühne“ als falsch und das Denkmal als Ausdruck von Nationalismus.
Das Gedenken an die gefallenen Piloten wurde damit für eine Botschaft genutzt, die historisch falsch und inhaltlich nicht akzeptabel ist: die Leugnung der Kriegsniederlage. In der NS-Zeit setzte sich die Vereinnahmung fort – die Fliegerei auf der Wasserkuppe wurde von der Diktatur für politisch-ideologische Zwecke missbraucht.
Diese Vereinnahmungen haben das Geschehen auf dem „Berg der Flieger“ stark geprägt und sind Teil seiner Geschichte. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Flugsportler glücklicherweise davon befreit.
…und die Befreiung davon
Heute gestaltet sich der Flugbetrieb auf Hessens höchstem Berg als freundschaftliches Miteinander der verschiedenen Flugarten: Segel-, Motor-, Drachen-, Gleitschirm- und Modellflieger leben hier ihren Traum vom Fliegen – gemeinsam und doch alle auf ihre persönliche Art und Weise.
Die zahlreichen Flugsportvereine, die heute unter dem Dach der GFS vereint sind, zeugen von der ungebrochenen Leidenschaft vieler Pilotinnen und Piloten für den Luftsport.
Um den heutigen Status quo zu erreichen und um ein aktives Vereinsleben mit sicherem Mischflugbetrieb zu gestalten, haben viele Flieger bisher schon viele tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit investiert und werden dies sicher auch in Zukunft tun.
Tradition, Gegenwart und Zukunft
Wäre es deshalb nicht an der Zeit (oder längst überfällig), dieses Engagement zu würdigen? Und wäre das 100-jährige Jubiläum des Fliegerdenkmals nicht der ideale Anlass (gewesen), die Abkehr von den früheren Inhalten auch äußerlich sichtbar zu machen?
Daraus entstand die Idee, das Fliegerdenkmal umzuwidmen und die politische Instrumentalisierung der Fliegerei zugleich museal aufzuarbeiten.
Vergleichbare Denkmäler wurden andernorts bereits umgewidmet (siehe die Berichte der Frankfurter Rundschau und des Bayerischen Rundfunks).
Die bisherige Inschrift soll dabei nicht verschwinden: Im Segelflugmuseum ausgestellt und historisch eingeordnet, bliebe sie als mahnende Erinnerung erhalten.
Ein Vorbild gibt es bereits: Neben dem Eingang zum Segelflugmuseum ist eine Replik der Inschrift des ersten, heute nicht mehr existierenden Fliegerdenkmals angebracht.
Zudem hat das Deutsche Segelflugmuseum begonnen, die politische Instrumentalisierung der Fliegerei aufzuarbeiten: Ende 2025 wurde der erste Teil einer neuen Ausstellung zur NS-Zeit auf der Wasserkuppe fertiggestellt (Bericht der hessenschau).
Auch am Denkmal selbst gibt es inzwischen eine Infotafel, die die Inschrift historisch einordnet. Die Erklärung steht damit neben der Botschaft – die Botschaft selbst aber bleibt unverändert.
Was spricht also dagegen, das Fliegerdenkmal zu dem zu machen, was es dem Namen nach sein sollte: ein Denkmal für alle, die ihr Leben der Fliegerei gewidmet haben?
Konkreter Vorschlag
Aus einer Diskussion zu diesem Thema unter einigen Flugsportlern war dieser Vorschlag entstanden:
ZUR ERINNERUNG
AN ALLE, DIE
IHR LEBEN
DER FLIEGEREI
GEWIDMET HABEN
Eine solche Inschrift ist frei von politischer Instrumentalisierung. Hier geht es ausschließlich um die Menschen, die für den Traum vom Fliegen gelebt haben oder leben – und um deren Beiträge zur Entwicklung und Ausübung der Fliegerei, von den Anfängen bis heute.
Leuchtturm-Projekt für Rhön-Marketing
Der Imagegewinn, den eine solche Umwidmung nicht nur für die Fliegerei, sondern auch für die Wasserkuppe und die gesamte Rhön mit sich bringen dürfte, könnte auch dem Rhöner Destinationsmarketing zugutekommen.
Die öffentliche historische Aufarbeitung der Vergangenheit hat bereits begonnen – eine gegenwarts- und zukunftsorientierte Neupositionierung der Flieger und der Fliegerei auf der Wasserkuppe bislang noch nicht.
Eine Umwidmung des Fliegerdenkmals könnte dies öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck bringen, so das Ergebnis der Überlegungen.
Fragen & Antworten
Welche Argumente sprechen für eine Umwidmung des Fliegerdenkmals?
- Äußerlich sichtbares Symbol der längst erfolgten Befreiung von der politischen Vereinnahmung der Fliegerei
- Würdigung aller Menschen, die ihr Leben der Fliegerei gewidmet haben oder widmen, und deren Verdienste um die Fliegerei
- Erhalt der Erinnerung an die verschiedenen politisch-ideologischen Instrumentalisierungen mit erklärendem Kontext im musealen Rahmen
- Erhalt eines der bekanntesten Foto- und Postkartenmotive der Rhön
- Positive Wirkung für Image und Tourismus von Wasserkuppe und Rhön
Welche Argumente sprechen gegen eine Umwidmung – und was lässt sich darauf antworten?
- Denkmalschutz: Ob das Fliegerdenkmal als Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz geschützt ist, wäre vorab mit der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Fulda bzw. dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen zu klären. Steht es unter Schutz, braucht jede Veränderung – auch der Austausch der Inschrifttafel – eine denkmalrechtliche Genehmigung; zudem muss der Eigentümer zustimmen. Der Austausch der Tafel bei unverändertem Adler und Sockel wäre allerdings ein vergleichsweise kleiner und umkehrbarer Eingriff, die Originaltafel bliebe im Museum erhalten.
- Tradition und Authentizität: Das Denkmal ist ein historisches Zeugnis, jeder Eingriff verändert es. Deshalb soll die alte Inschrift nicht entsorgt, sondern im Museum bewahrt und erklärt werden.
- Die Infotafel reicht doch: Am Denkmal steht inzwischen eine Infotafel mit historischer Einordnung – ein wichtiger erster Schritt. Die Botschaft der Inschrift bleibt damit aber weiterhin am Denkmal stehen, und die Erklärung daneben wird leicht übersehen. Erst eine Umwidmung würde die Abkehr von der früheren Aussage auch am Denkmal selbst sichtbar machen.
- „Das interessiert heute niemanden mehr“: Die meisten Besucher kennen die Bedeutung der Inschrift gar nicht – gerade deshalb lohnt sich die Auseinandersetzung.
Wer ist betroffen und kommt als Unterstützer in Betracht?
- Die Flugsportlerinnen und Flugsportler auf der Wasserkuppe
- Die Flugsportvereine
- Das Deutsche Segelflugmuseum
- Die Fliegerschule/GFS
- Alle Akteure und Anrainer der Wasserkuppe
- Die Tourismusanbieter in der Rhön
- Die Stadt Gersfeld und der Landkreis Fulda
- Alle, die das Fliegerdenkmal als Firmenlogo verwenden
Wer etwas zu diesem Thema beitragen oder sich engagieren möchte, kann sich gerne per E-Mail melden.
Hinweis in eigener Sache:
Derzeit gibt es keine konkreten Pläne, eine wie auf dieser Seite beschriebene Umwidmung durchzuführen. Es geht vielmehr darum, diese Idee mit Fliegern und Flugsportbegeisterten zu teilen und Meinungen dazu zu sammeln. Es handelt sich um die Idee einiger Flugsportler, die unter dem Dach der GFS auf der Wasserkuppe fliegen.
